Das Wochenende, August 1985

1. Die Geschichte vom Graben oder eine Geschichte wie viele andere
Es war einmal ein Ort, wo ein uns bekannter Mensch, genannt Leo (alias Leni, alias OberLeo), wieder ein mal an einem schönen Sommerabend 1985 in einer uns wohl bekannten Lokalität, dem Brückenkopf, der zu dieser sommerlichen Zeit seinen Besuchern einen Biergarten anbietet, seinen Abend und den Anfang der Nacht verbrachte. Wie es der Zufall so wollte, war er nicht allein, Kotzi war auch da, und selbst für die Nacht war gesorgt: Schlafsäcke befanden sich fest geschnürt auf zwei Motorrädern, die außerhalb der Lokalität im Licht der Straßenlaternen nicht glänzten.

Der Abend war bereits weit fortgeschritten, als der Wirt der Lokalität, doch langsam bestimmend in Wort und Tat, die beiden letzten Gäste ersuchte, die Lokalität zu verlassen. Leo hatte, langsam die Treppe herunter kommend, die auch für seinen Kompagnon Kotzi überaus attraktive Idee, in dieser doch so schönen warmen Sommernacht unter dem freien Sternenhimmel zu übernachten. Das war nichts sonderbares für diese beiden Herren, haben sie doch oft genug in Ihrer Jugend den Weg nicht mehr nach Hause gefunden und die Nacht unter einer Brücke über die Kinzig oder anderswo verbracht. Dies geschah allerdings in einer Zeit, in der die beiden noch nicht motorisiert waren. Heute sah dies ganz anders aus.

Leni hatte somit die bereits erwähnte attraktive Idee, draußen unter den Sternen zu nächtigen und – warum nicht gleich am Erlensee, war dieser doch nur etwa 10 Km entfernt und die Strecke dort hin sehr interessant. Dort könne man die ganze Angelegenheit doch noch mit einen erfrischenden nächtlichen Bad verbinden.

Sein Kompagnon fand diese Idee auch hyper-attraktiv, und so machten sich die beiden auf den Weg, Leo vorne weg, kannte er doch den Weg.

Dieser führte von der uns wohl bekannten Lokalität entlang der Kinzig in die Bulau, ein Waldstück zwischen Hanau und Erlensee. Dort ging es mit großer Geschwindigkeit weiter über dunkle verschlungene Pfade durch den tiefen schwarzen Wald. Nach einer längeren Zeit und sicherlich einigen Irrungen stand man plötzlich vor einer Wiese, und der See lag im Nebel eingehüllt unweit vor ihnen, dachten sie.

Doch oh Schreck, stellten die beiden fest, dass Leo unterwegs seine Ausrüstung verloren hatte. Während Leo am Wiesenrand wartete, schoss sein Kompagnon den Weg zurück und kam nach einer uns nicht mehr bekannten Zeit mit seinem Schlafsack wieder zurück. Handschuhe und Nierengurt fanden sich allerdings nicht mehr.

In guter Laune, dass die Nacht nicht kalt werden würde, schossen die beiden mit Ihren Motorrädern in der dunklen Nacht über die Wiese dem See entgegen, immer Richtung weiße Nebelwand. Als man meinte, man sei kurz vor dem See, hielten die beiden an, stiegen ab (ist dabei wieder das Motorrad umgefallen?) und liefen, Leo wieder die Richtung angebend, weiter, wohl wissend, sich gleich in die kalten Fluten stürzen zu können.

Es verging schon eine kleine Weile, bis der Kompagnon merkte, dass Leo verschwunden war. Plötzlich hörte er ein leisen Wimmern und ging vorsichtig dem Geräusch entgegen. Wie überrascht war er, könnt ihr Euch sicherlich vorstellen, als das Wimmern nun von unten kam. Und da war er, nicht zu sehen, aber zu hören, in einem tiefen Graben und versuchte vergeblich herauszukommen, was ihm aber nicht gelang. Nach vielen Mühen schafften es die beiden und zogen es danach vor, mit dem Baden bis zum nächsten Morgen zu warten.

2. Die Geschichte vom See
„Papa, was machen die denn da?“, hörte Leo aus einem noch größeren Lärmpegel heraus, der doch sehr unangenehm war an diesem anscheinend nicht mehr ganz so frühen Morgen. Außerdem knallte die unerträglich in weiß-gelber Flut strahlende Sonne auf sein Gesicht. Es musste wohl doch schon ein späterer Vormittag sein. Der Traktor zog unterdessen weiter seine Kreise um die beiden Erwachenden herum, um weiter, bis auf einen kleinen Streifen, auf dem sie lagen, die Wiese zu mähen.

„Papa, was machen die denn da?“, war noch einmal zu hören, als auch der Kompagnon den Traktor nicht mehr überhören konnte, so sehr er es auch versuchte.

Wach werdend, ohne ein Wort zu verlieren und sich ganz und gar nicht wohl fühlend, fragten sich beide: wo ist der See?

3. Am Ende vom See
Den See hatten sie nicht gefunden. Der Entwässerungsgraben war sehr tief, und Leo kam zwei Tage später mit einen dicken Verband um seine Brust vom Orthopäden zurück.

Das Wochenende war wieder ein voller Erfolg, dachten sich beide. Was steht wohl am Nächsten an?

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