Ostsee Segeltörn

SegelyachtWer auf vorwiegend Männerschweißgeruch steht, auf Duschen verzichten kann, auf kleine Kajüten steht, in denen irgendwie zwei Personen je Kajüte untergebracht werden müssen plus Gepäck, vor superkleinen und stinkenden Toiletten nicht zurück schreckt und auf alle Fälle auch nicht auf die Nähe zu anderen Personen, ist auf einer personenoptimierten Charteryacht bestens aufgehoben.

Auf solch einer segelte ich mit vier weiteren Personen vom 13.-20.05.2011 über verschiedene Zwischenstopps in Dänemark und Schweden bei beschissenem Wetter von Fehmarn nach Kopenhagen und zurück in sieben Tagen. Wir hatten wenig Sonne, nur einen Tag Flaute, ansonsten nur Starkwind, Regen, Gewitter, Kälte und Hagel.

Gleich am ersten Tag gerieten wir in einen Gewittersturm mit Böen bis zu Windstärke 9. Unglücklicherweise ging alles so schnell, dass der unerfahrene Kai am Ruder unsere Yacht mit noch voller Großsegelbesetzung nicht gegen den Wind steuerte bzw. gar nicht mehr steuern konnte. Das Wasser stand kurz vor der Kajütentür und bei einer Schieflage (Krängung) von vielleicht 60 Grad und mehr war man in erster Linien damit beschäftigt, sich selbst an Bord zu halten, denn dummer-dummerweise waren wir zu dem Zeitpunkt alle nicht gesichert (angeleint). Bei Wassertemperaturen von weniger als 12 Grad hält man es im Wasser trotz Rettungswesten nicht mehr als 10 Minuten aus. Und außerdem wären wir nicht in der Lage gewesen, einen Über-Bord-Gegangenen bei der Wetterlage zu bergen. Für etwa 30 Minuten hatten wir unsere Yacht nicht unter Kontrolle und ehrlich gesagt, ich dachte, wir saufen ab. Mit einem geruhsamen Karibiktörn, so wie ich das Segeln bis jetzt kannte, hatte das alles nicht viel zu tun. Auf die Blitze, die noch hätten in den Mast einschlagen können – O-Wort Skipper : „bleibt von Metallen weg“ – und die die ganze Bordelektronik lahm gelegt hätten, will ich gar nicht sprechen, aber doch davon, dass wir unseren Verklicker (Windrichtungs- und -geschwindigkeitsmesser) und unsere Antenne verloren, ohne die man natürlich auch keinen Notruf mehr hätte absetzen können. Von den weiteren Kleinigkeiten, die zu Schaden gingen, will ich gar nicht sprechen.

IchWie auch immer, mit Segeltörns bis zu 10 Stunden pro Tag kamen wir in drei Tagen in Kopenhagen an. Cool war hier, dass ich das Boot in die Kanäle hinein steuerte und wir mehr oder weniger in der Innenstadt parkten. Dann ging es in vier Tagen zurück, wobei Kai und meine Wenigkeit den letzten Abend in einem kleinen gemütlich Hafen mit Restaurants und Kneipen direkt vor der Türe (Orth auf Fehmarn) ausgiebig feierten.

Fazit: Ostsee ist nicht Karibik. Ostsee kann wild, kalt und nass sein. Man muss schon eine Art Masochismus mitbringen, um diese Art von Freizeitgestaltung genießen zu können. Nichtsdestotrotz können wir Neulinge jetzt eine Yacht auch bei stürmischen Wind mehr oder weniger kontrolliert steuern und auch im Hafen bei Starkwind anlegen, was kompliziert genug ist. Eine Erfahrung war es also auf alle Fälle. Der erste Tag hätte allerdings anders verlaufen dürfen. Und für Schönwettersegler ist die Ostsee m. E. nicht zu empfehlen (oder sie müssen im Hafen bleiben oder nicht zu weit auslaufen; mir schien es, als ob wir an drei Tagen die einzigen Segler auf hoher See waren).

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