Die Pumpstation Hanau wird leer gefegt

Die Pumpstation Hanau wird also verkauft. Es kauft der millionenschwere Investor Hain, der sie dann sozialen Zwecken (dem Behindertenwerk Main-Kinzig) zur Verfügung stellen wird. Das ist gut. Dumm ist nur, dass in der Pumpstation Mieter wohnen, die dem Vorhaben im Wege stehen. Ihnen wurde ihr Zuhause gekündigt.

Dass heißt natürlich auch, dass weiter günstiger Wohnraum in Hanau zerstört wird und sich keine Verantwortlichen dafür interessieren, keine Presse, kaum eine Partei und schon gar nicht der nur von etwa 10% aller wahlberechtigten Hanauer gewählte Oberbürgermeister Kaminsky und sein Anhang. Das ist schlecht, für Hanau und ganz besonders für die jetzigen Mieter der Pumpstation, die nicht wissen, wohin, weil man sich in Hanau nichts mehr leisten kann, weil sie nicht millionenschwer sind. Ihr Lebensraum wird zerstört, so wie bereits viele andere in Hanau.

Das wirft unweigerlich die Frage auf, was sagen denn die Parteien vor der Kommunalwahl, die sich jetzt mal wieder um den Wähler kümmern (müssen)?  Drei Werbe-Blätter fanden sich in den letzten Tagen in meinem Briefkasten; die der SPD, der CDU und der Grünen.

Die Grünen liefern ein trauriges Blatt. Von den 13 Punkten, die aufgelistet sind, sind die ersten sechs komplett unwichtig für Hanau, die nächsten drei vielleicht, aber nicht wirklich relevant, und der Soziale Wohnungsbau steht an 12. und dritt-letzter Stelle. Die ersten Themen sind belegt mit Klima, sauberer Luft, Wald, Lebensmittel, Biologische Vielfalt, Müll, usw. Einen Hanauer Schwerpunkt kann ich nicht erkennen.
[Update 02.03.16: In der Stadt wurde mir ein Flugblatt in die Hand gedrückt, welches nun an erster Stelle für den Erhalt von bezahlbarem Wohnraum wirbt. Dennoch, irgendwie spricht mich das Papier nicht an, sieht mir zu sehr aus nach „Spaß-Partei“.]

Die CDU wirbt mit „für unsere Heimat“ und einem lächelnden Frauengesicht. Ein „Dr.“ steht davor. Zwar steht „Wohnen, Wirtschaft und Verkehr“, alles zusammen gefasst in einem Beitrag, gleich an erster Stelle, doch geht es den Schreibern darum, den Platz Hanaus in der Metropolenregion „Frankfurt/Rhein-Main“ zu definieren. Bei der Wahl des Wohnsitzes, so das Blatt, stehe Hanau im Wettbewerb zu anderen Regionen. Das erinnert mich sehr an Kaminskys „Holt-Die-Frankfurter-Nach-Hanau“-Strategie, welche sicherlich mit zu dem unbezahlbaren Wohnraumangebot in Hanau beiträgt. Immerhin spricht die CDU davon, bezahlbaren Wohnungsraum schaffen zu wollen.

Die SPD spricht von „Gemeinsam. Weiter. Machen“. Aufgelistet in der dicken mehrseitigen Broschüre werden die „Erfolge“ Kaminskys. Der Stadtumbau steht an erster Stelle. Man spricht zwar davon, dass zahlreiche Wohnungen geschaffen wurden – das stimmt – aber nicht davon, dass sich diese viele Hanauer Bürger ganz und gar nicht leisten können. Nach meinen Erkenntnissen wurde massiv günstiger Wohnraum in Hanau, z.B. in der Innenstadt, vernichtet.
Das Blatt spricht auch davon, dass preiswerte Mietwohnungen zu erhalten seien – das ist gut für das Parteiprogramm, wird aber nach meiner subjektiven Ansicht von der SPD nicht umgesetzt. Auch spricht das Blatt von einem „bezahlbaren Preisgefüge“, welches Hanau, dank der SPD, hätte; auch dem kann ich (subjektiv) nicht zustimmen.
Immerhin, das Blatt kommt weit dem Thema „bezahlbarer Wohnraum“ entgegen und spricht von rund 3.200 Wohnungen im unteren Preissegment, die es in Hanau gäbe. Gleichzeitig wird die Verantwortung für den Wohnungsbau auf das Land geschoben und sollte dieses spürbare und praktikable Verbesserungen schaffen, würde man diese im Sinne des bezahlbaren und sozialen Wohnraumes nutzen. Das ist ein Volltreffer. Im Klartext heißt das, die Stadt tut nichts und streut uns nur Sand in die Augen.

[Update 02.03.2016]
Die ALL Hanau, Alternative Linke Liste, drückte mir in der Stadt ein Flugblatt in der Hand, welches das erste ist, dass sich wirklich mit Hanauer Themen zu beschäftigen scheint und auch speziell mit der Wohnungssituation. Was mir ganz besonders noch an diesem Papier gefällt, ist, dass es kritisch die Aktionen der Stadt reflektiert, angefangen von dem Investoren-Problem, bis hin zu der horrenden Miete, die die Stadt im Forum für die Stadtbibliothek zahlt (1,6 Millionen € jährlich, 30-Jahres-Vertrag, macht 48 Millionen €), während anderweitig, z.B im sozialen Bereich, 20% Ausgabenkürzungen SPD und Kaminsky durchgesetzt wurde.

Auch die FGH Forum Gemeinsames Hanau drückte mir ein Flugblatt in die Hand. Dieses spricht von sozialem Zusammenhalt und Frieden, Bildung, Arbeitsmarkt, soziale Gerechtigkeit, Jugend, Vorbeugung von Kriminalität und Teilhabe und Beteiligungen, leider nur in Überschriften. Der angespannten Wohnungsmarkt liegt offensichtlich nicht im Fokus dieser Partei.

Fazit:
Sicherlich, die steigenden Mieten sind auch zurück zu führen auf den niedrigen Kapitalmarktzinssatz, der Anleger und Investoren massiv in den Wohnungsbau drängt. Diese haben aber nicht günstigen Wohnraum im Sinne, sondern Kapitalmaximierung. Solange die Parteien nicht massiv den günstigen Wohnraum fördern, sondern stattdessen, wie einleitend mit der Pumpstation beschrieben, weiter vernichten, kann ich keiner Partei meine Stimme geben. [Update 02.03.2016: Die einzige Ausnahme scheint die ALL Hanau, Alternative Liste Hanau, zu sein, die auch mit weiteren guten Hanauern Themen aufwartet.]
Ich wünschte mir, wir hätten ein Wahlsystem, in dem man abwählen kann und Parteien bzw. Bürgermeister eine bestimmte Anzahl von Stimmen bräuchten, um in Amt und Würden zu kommen oder um dort verweilen zu dürfen. Aber das fürchten die Politiker und Parteien. Sie hätten wohl alle nur noch Minusstimmen.

Was machen die andere Parteien?
Ich weiß es nicht. Ich habe von diesen bis jetzt nichts gelesen.

Was wäre sonst noch zu bemerken?

Kaminskys_Haus

Das Filetstück im Argonnerpark bekam Kaminsky

Wie wäre es mit Kaminskys Haus?
Unser Oberbürgermeister Kaminsky und einige Personen seiner Gefolgschaft kamen 2011 an sehr günstigen und steuerlich begünstigten Wohnraum in Hanau-Wolfgang im Argonnerpark. Kaminsky bekam das Filetstück (siehe Bild). Wer sich das Thema nochmals auftischen will, der lese hier:

Oder die versprochenen Vorteile für die Hanauer Bürger?
Kaminsky, Hain und Co. versuchen den Kesselstädtern weiß zu machen, dass auch diese Vorteile durch eine neue Pumpstation hätten. Das mag so sein. Wenn man allerdings betrachtetet, dass dies auch für das Brockenhaus so gelten sollte, welches dem gleichen millionenschweren Investor Hain gehört (und dieser es auch für soziale Zwecke nutzt), sieht man schnell, dass nur ganz gewisse Schichten mit dicker Brieftasche den angepriesenen Vorteil nutzen können. Den Raum im Brockenhaus zu mieten kostet über 1.000€. Für die Vermietung verantwortlich ist eine Frankfurter Agentur.

Ach ja, und dann gibt es da noch ….

Trägerverein Kulturzentrum Pumpstation
Doch der scheint die Pumpstation vergessen zu haben. Jedenfalls fand ich keinen Beitrag darüber auf dessen Seiten.

Die Presse
Dass sich der Hanauer Anzeiger nicht wirklich des Themas annimmt, mag nicht verwundern, wenn man dessen Internetseiten sieht. Die Affinität zur SPD ist nicht zu übersehen.

HA

Der Hanauer Anzeiger vom 22.02.2016, dominiert durch die SPD

Schlusswort

Lange Rede, kurzer Sinn: Es ist schade um die Pumpstation und deren Bewohner. Es ist traurig, dass weiter günstiger Wohnraum zerstört wird. Traurigkeit auch über Teile der Presse, die sich des Themas nicht annehmen. Mein Vertrauen an Politiker und Parteien ist schon lange verloren.
Ich hoffe, dass sich jemand (die Stadt) um die jetzigen Bewohner kümmert und diesen vergleichbaren Wohnraum zur Verfügung stellt; ich glaube aber nicht daran (aber es soll ja noch Wunder geschehen und sicherlich gibt es auch auf der Stadt sozial engagierte Menschen). Eher glaube ich da noch an den Investor Hain, der ja bewiesen hat, dass er sozial engagiert ist (und das ist auch gut so, wenn er sich auch um die kümmert, die durch seine Aktion ein Nachsehen haben).
Und ich freue mich für das Behindertenwerk, allerdings mit einem sehr fahlen Beigeschmack. Dafür können aber die Behinderten nichts.

gl, 20.02.2016

Auszug:
Die Pumpstation Hanau wird verkauft. Doch was passiert mit den jetzigen Mietern? Ein nicht ganz emotionsloser Beitrag über die Pumpstation, günstigen Wohnraum in Hanau, was Parteien dazu sagen und speziell, was unser Oberbürgermeister Kaminsky für eine Rolle spielt. Nicht zuletzt stellen wir vor, wie Kaminsky zu seinem Luxushaus gekommen ist und was er und der Investor Hain uns bereits mit dem Brockenhaus versprochen haben. Zuletzt wird die Initiative aufgezeigt, die einst ein Kulturzentrum aus der Pumpstation machen wollte.

 

 

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2 Antworten zu “Die Pumpstation Hanau wird leer gefegt

  1. Nicht übersehen, sondern ich habe nur die, wie im Beitrag erläutert, Programme kommentiert, die in meinem Briefkasten lagen. In der Zwischenzeit habe ich mir das der ALL im Internet angeschaut; es hat in der Tat mehr Masse, als die von mir kommentierten.

  2. Immerhin, die Alternative Linke Liste ALL (allhanau.com) fordert 2.000 zusätzliche bezahlbare Mietwohnungen in den nächsten 5 Jahren gleich im ersten Drittel ihres Wahlprogrammes (http://allhanau.com/2016/01/18/unsere-forderungen-fuer-hanauo/):

    „2.000 zusätzliche bezahlbare Mietwohnungen in den nächsten 5 Jahren.
    Der Wohnungsbestand in Hanau umfasst aktuell ca. 44.000 Wohnungen. Die Hanauer Baugesellschaft besitzt davon ca. 4.000 Wohnungen. In guten Jahren ist der Bestand jeweils um mehrere hundert Wohnungen gewachsen.
    Gerade durch die Konversionsflächen hat die Stadt die einmalige Möglichkeit in erheblichem Umfang neue Mietwohnungen zu schaffen.
    Für die ALL ist der Bau von 2.000 Mietwohnungen in der kommenden Wahlperiode keine Utopie sondern eine dringende Notwendigkeit um Mietpreisabzocke, Wohnungslosigkeit und Überalterung des Altbaubestands entgegen zu wirken.

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